Es ist wieder so weit

Die Fußballweltmeisterschaft hat begonnen!

Na gut, nicht die „Richtige“, würden jetzt viele sagen, nur die der Frauen.

Aber Worldcup ist Worldcup, jawollja!!!!

Alle warten auf ein neues Sommermärchen, oder wenigstens so was wie bei der letzten richtigen Fußballweltmeisterschaft, also mit den Männers!

Ich glaube, alle erinnern sich noch daran, an dieses Fest der Fröhlichkeit, da unten in Südafrika. Wo ein ganzes Land in Feierlaune war, die Dinger durch die Gegend dröhnten, die früher mal aus Kudu Hörnern bestanden, die man Vuvuzela nannte, was ich beim ersten mal Hören doch glatt mit Uwe Seeler verwechselt hatte und mich freute, welch hohes Ansehen unser Alt – Fußball – Weltmeister doch dort unten am Kap der Guten Hoffnung hatte. Und das selbst in den South Western Townships, den südwestlichen Wohngebieten, von Johannesburg, bei uns besser bekannt als Soweto.

Dabei ist übrigens ausdrücklich klar zu stellen, dass das Gerücht, die Produktion dieser Vuvuzelas sei durch die Innung der Hörgeräteakustiker angeregt und finanziert worden nichts weiter ist als ein unhaltbares Solches, ein böswillige Unterstellung, eine bewusste Diffamierung, jawollja!!!!

Und wer hat es nicht noch im Ohr, dieses fröhliche Liedchen dieser hübschen Kolumbianerin zusammen mit so ein paar Musikern aus Südafrika, dieses seichte Geträllere von Waka Waka, was doch eine gewisse Ähnlichkeit mit unserem ernsthaften „Zicke Zacke“ hat, und für die Eingeweihten auch noch die Anspielung auf Willy Wacker, in angelsächsischen Ländern ehr bekannt als Andy Capp, diesem Ausbund an Spiesigkeit, der fast hätte Vorbild sein können für das Ekel Alfred, enthält.

Und klar, dass sich da die Produzenten überlegt hatten: Wenn schon Afrika, dann wenigstens ein paar afrikanische Brocken einbauen!

Und da war mir schon letztes Jahr was aufgefallen:

Der Text, so weit er afrikanisch sein soll, war irgendwie nicht authentisch. Denn dort in Südafrika sprechen die Schwarzen Einwohner so seltsame Sprachen wie isiZulu, Siswati, Süd-Ndebele, Sesotho, Sepedi, Xitsonga, Setswana, Tshivenda und isiXhosa und so was. Auf jeden Fall alles Sprachen mit den berühmten Klicklauten.
(Wer kennt nicht das schöne Lied von Mirjam Makeba, wo sie zum Anfang erzählt, dass das folgende Lied von allen „Klicksong“ genannt wird, weil all die Weisen den richtigen Titel nicht aussprechen können).

Und das fehlt einfach im waka waka.

Also sogar das getürkt?

Aber andererseits klang die Sprache doch vertraut, klang fast, als würde mein alter Kollege Jean Louis Ndongo was erzählen, in seiner Heimatsprache, in Douala. Und das ist eine westafrikanische Sprache, aus Kamerun, gehört zur Sprachfamilie der Bantusprachen, genauer wohl eine der Volta-Congo-Sprachen der Nordwest-Bantu-Gruppe . Genau wie die Sprache Fang, aus der Nachbarschaft dort.

Also hatte ich nachgeschaut.
Und festgestellt, das war gar kein Kunst-Pop-Mainstream-Träller-Liedchen, das die gute Shakira da sang (und immer noch singt).

Ehr im Gegenteil, ein Lied wahrscheinlich entstanden im 2. Weltkrieg bei den afrikanische Truppen, angeblich bei Scharfschützeneinheiten aus Kamerun. Ein Gemisch aus Fang und Piding, einem Sprachmischmasch, der den eingesetzten schwarzen Soldaten aus vielen Ländern und Sprachgruppen eine Verständigung ermöglichte. Und alles andere als lieb und nett, das Liedchen. Mehr verbunden mit Opfer und Tod und Sinn und Ziel.
Ein Lied, das in verschiedenen Bürgerkriegen erklang. Unter anderem auch schon Ende der 60er Jahre in Nigeria. Man kennt diese Zeit dort auch als den Biafra-Krieg.
Ein Lied, das teilweise verboten gewesen sein soll, das in Kamerun, und anderswo, vom Soldatenlied, vom Guerillialied, mutierte zum Lied von Pfadfindern und Jugendgruppen, aber, wahrscheinlich mit ein wenig anderen Textteilen, auch immer ein Soldatenlied blieb. Aber eines von denen ohne Pathos und Vaterlandliebe und Nationalstolz und so was.

Bis dann 1986 die Makosa-Gruppe Golden Sound aus Kamerun das Lied neu aufnahm, unter dem Titel Zamina mina (oder auch Zangalewa), und damit einen solchen Hit in fast ganz Afrika landete, dass sie sich gleich umbenannten in Zangaléwa.

Und daraus wurde dann im letzten Jahr zur richtigen Fussballweltmeisterschft das Shakira-Lied Waka Waka, über das die kulturtragende Süddeutsche Zeitung überaus treffend urteilte: „Sinnfreiheit, Disco-Gejodel und Ethno-Gestampfe
Vielleicht hätte der Redakteur da doch erst ein mal ein wenig nachschauen sollen???

In diesem Sinne: Waka Waka!

(denn wie dieses allwissende Wikipedia dazu meint: Waka waka means Do it – as in perform a task. Waka is pidgin language meaning walk while working)

 

PS: Das Artikelbild stammt von Gargoyle und ist zu finden unter CC Lizenz auf http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Euro_2009_-_Germany-Norway_-_Goal_Scrum_239.jpg